Was hat Hausverbot – Teuer oder Billig?

„Wer billig kauft, kauft doppelt!“, „Alles unterhalb von xxx Euro kannst Du vergessen!“, „Was Du Dir da gekauft hast, ist totaler Schrott!“, „Wie konntest Du das nur kaufen?!“ Kommt Dir das bekannt vor? Als Ergänzung zum früheren Artikel über Werkzeug möchte ich hier eine zusätzliche Orientierungshilfe geben.

WerkzeugschrankEs geht um den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse… Gut und Böse? Nicht ganz – „Nur“ zwischen Preisgünstig und Teuer, aber dieser Kampf dauert vermutlich schon genau so lange – Ich gehe davon aus, dass es bereits in der Steinzeit den Premium-Feuerstein und die billige Variante gab, die das Feuer halt nicht so schnell entfachte oder statt dessen den Regengott erzürnte.

Ein Hinweis, bevor es losgeht: Ich werde im Abschluss des Artikels einige Werkzeug-Hersteller nennen. Dies dient aber ausschießlich der Orientierung und soll keine Wertung oder Empfehlung darstellen!

Nun aber los: Teuer oder Billig? Leider gibt es – wie immer – keine allgemeingültige Antwort. Aber es gibt einige Faktoren, die in Deine Wahl einfließen sollten:

Präzision

Atorn Anschlagwinkel GenauigkeitPräzision kostet Geld. Punkt! daran ist nicht zu rütteln. Ich nehme da als Beispiel immer gern die Schreiner- bzw. Anschlagwinkel zur Hand. Modelle der unteren Preisklassen zeigen meist nicht wirklich 90°, sondern vielleicht nur 89° an. 1° Abweichung ist ja nicht viel, meinst Du? Daran werde ich Dich erinnern, wenn Dein voller Stolz zusammengebautes Regal kippelt 😉

Du solltest dann doch lieber etwas Geld in Markenware investieren. Das verlinkte Messwerkzeug-Set scheint im ersten Moment sehr teuer zu ein, aber wenn man es auf die einzelnen Teile herunterrechnet sind diese durchaus erschwinglich. Man braucht ja nicht alles – Nicht jeder benötigt eine Fühlerlehre. Dasselbe gilt übrigens auch z. B. für Sägen, wenn Du präzise Schnitte durchführen willst.

Habe ich überhaupt das richtige Werkzeug im Blick?

Stichsäge Brett kürzenEin Tatbestand, den ich sowohl bei mir als auch bei anderen ausgemacht habe, ist, dass schlicht und ergreifend das falsche Werkzeug benutzt wird.

Um ein weiteres Beispiel aus meiner „Laufbahn“ zu bemühen: Bei geraden, langen Schnitte durch Bretter (Ablängen), kann man eine noch so teure Stichsäge benutzen. Aber selbst eine günstige Handkreissäge ist besser dafür geeignet.

Wie oft benutze ich das Werkzeug überhaupt?

Stichsäge gerader SchnittDies ist eines der Kriterien, die bei der Argumentation für Werkzeugpreise herangezogen wird. Nur einmal benutzen? Dann reicht doch eine Billig-Variante. Wirklich? Was ist, wenn es die eine Sache ist, die gut werden soll, um den Slogan einer bekannten Baumarktkette zu zitieren.

Willst Du gerade bei diesem Projekt ein ungenaues Messwerkzeug benutzen und Gefahr laufen, dass es unsauber wird? Die Häufigkeit würde ich also nicht als primäres Kriterium sehen. Und irgendwann benutzt Du es wahrschinlich doch wieder.

Und dann freust Du Dich, wenn Du es bereits hast 🙂

Zubehör

250 CES mitgeliefertes SchleifpapierAuf einen Kommentar von Stine hin, noch ein weiterer Punkt, den Du beachten solltest: Was nützt Dir das beste Angebot, wenn Du danach kein Zubehör mehr dafür bekommst?

Das reicht von Schleifpapier, für das man keinen Nachschub bekommt, über Aufsätze mit Spezialformen, die man ebenfalls nicht bekommt bis hin zu Akkus, die man nicht einzeln bekommt.

Sei Dir dessen bei Werkzeug bewusst, für das Du in absehbarer Zeit Zubehör benötigst.

Was ist teuer?

Und was ist billig? Das ist relativ. Die einen sehen z. B. Werkzeuge der grünen Bosch-Reihe bereits als teuer an, für viele Profis jedoch rangieren sie unter „Billig“-Werkzeug für Anfänger. Für manche sind Geräte der Marke Festool gerade gut genug. Und für bestimmte Aufgaben finden sich selbst „billige“ Werkzeug erst im oberen drei- oder sogar vierstelligen Eurobereich.

Und jetzt?Gesicht sag nix Nun hast Du Dich bis hier her durch den Text gekämpft und bist immer noch nicht viel schlauer – Ein bisschen vielleicht 🙂

Ok, hier habe ich etwas für Dich: Wie erwähnt – Es gibt weder ein definiertes „Teuer“ noch „Billig“ und man muss auch noch verschiedene Faktoren als Kriterium heranziehen. Aber Du willst ja trotzdem eine Empfehlung.

Ich nehme mich an dieser Stelle selbst als Referenz. Als solcher bin ich jemand, der sich handwerklich betätigen will, aber nicht unbedingt ganze Häuser bauen möchte und Lust auf selbst gebaute Möbel und ähnliches hat – Außerdem dürfen durchaus auch ein paar Basteleien drin sein.

Du muss selbst beurteilen, ob Du Dich selbst in diesem Segment siehst. Aber der Punkt, dass Du diesen Text immer noch liest, legt die Annahme nahe 🙂

Ich (und jeder andere, auch wenn er etwas anderes erzählt) kann Dir lediglich eine – halbwegs konkrete – Orientierungshilfe geben: Mit Produkten aus der mittleren Preisklasse bist Du eigentlich immer gut beraten. „Haha lustig, Und was ist die mittlere Preisklasse?“, denkst Du vielleicht an dieser Stelle. Aber nur nicht kurz vorm Ziel ungeduldig werden 😉 Konkret meine ich Hersteller und deren Serien, die sich im selben preislichen Bereich bewegen wie

  • Einhell (die rote Reihe)
  • Bosch (die grüne Serie)
  • Produkte von Worx
  • Ryobi
  • zum Teil auch Metabo
  • die günstigeren Varianten von Atorn
  • usw.

(Vorsichtshalber hier noch mal lesen). Diese Liste ist als nicht allumfassend zu betrachten.

In dieser Preisregion kann man eigentlich nichts Gravierendes falsch machen – Das entbindet Dich aber nicht von der „Pflicht“, Dich zumindest kurz umzuschauen, was andere dazu sagen. Heutzutage hast Du außerdem oft die Möglichkeit, das jeweilige Werkzeug auszuprobieren und ggf. zurückzugeben. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.

HandschwingschleiferBei sehr billigen Angeboten, wie es sie z. B. alle paar Wochen beim Discounter gibt, kann man Glück haben, muss man aber nicht.

Ein Nachtrag auf reds Kommentar hin: Zwischen der mittleren Preisklasse und den „Billig-Produkten“ gibt es noch eine Region, in der sich meist Hausmarken der Baumärkte, Mannesmann usw. bewegen. Hier hängt es sehr davon ab, welches Gerät man kauft.

Z. B. habe ich eine Schlagbohrmaschine von Skil, die zwar seit langem läuft, bei der aber seit Anbeginn der Zeit das Bohrfutter eiert. Man muss dort daran denken, dass man Produkte kauft, bei denen naturgemäß ein niedriger Preis angepeilt wird, die jedoch durchaus die eigenen Ansprüche erfüllen können.

Bei sehr teuren Werkzeugen kann man zwar beinahe immer Qualität erwarten, aber wie schon bei den allerbesten Schleifgeräten erwähnt, lohnt es sich für die meisten nicht, z. B. einen Rotex von Festool zu kaufen.

Das oben genannte ist, so meine ich, das Konkreteste, was man jemandem, der noch nicht so sehr in der Thematik steckt, zum Thema teuer oder billig empfehlen kann.

Fazit

Ich freue mich, wenn ich Dir weiterhelfen konnte. Oder hast Du bereits eigene Erfahrungen gemacht? Gibt es Hersteller, die Du präferierst? Schreib doch mal, wie Du das siehst. Ich würde mich sehr freuen, Deine Meinung dazu zu hören.

Nachtrag: Ein weiteres Beispiel dafür, wie jemand teures Werkzeug sucht, aber mit einem anderen viel besser bedient wäre, findest Du hier.

 

11 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Marc,
    persönlich bin ich ja ein großer Fan von Bosch und Metabo. Aus dem einfachen Grund, dass ich Ersatzteile und Zubehör in jedem gängigen Baumarkt kaufen kann. Ich hatte schon einen Deltaschleifer von Tchibo, der gute Dienste geleistet hat, aber die Schleifblätter mußte ich telefonisch nachbestellen. Vielleicht ist das ein Frauenproblem: in dem Moment, wo die Idee im Kopf entsteht, muss es sofort umgesetzt werden. Blöd, wenn man dann erst drei Tage auf Zubehör warten muss. Ich weiß gar nicht, ob man mittlerweile immernoch die Schleifblätter erhält. Bin dann auf Metabo umgestiegen.
    Meine Schreiner, bei denen ich nebenberuflich arbeite, nennen diese Preiskategorie immer Kinderspielzeug. Klar, dass man ganz anderes Werkzeug braucht, wenn man jeden Tag Schränke, Türen und Häuserfassaden baut. Aber für den „Hausgebrauch“ finde ich meine Helfer absolut leistungsfähig.
    Liebe Grüße
    Stine

    • Marc Zahn

      Hallo Stine,

      schön, von Dir zu hören 🙂

      Das Zubehör ist ein valider Punkt, den muss ich unbedingt noch mit aufnehmen. Danke für den Hinweis.

      Das ist mitnichten ein reines Frauenproblem. Ich bin schon des öfteren zum Baumarkt gefahren und habe mir Sachen gekauft, die ich ein ganzes Stück günstiger hätte haben können, wenn ich gewartet hätte. Aber wenn mir etwas einfällt, dann will ich das in der Regel auch sofort machen 😀

  2. Toller Artikel mit einem sehr heiklen Thema!
    Meiner Meinung nach, sollte jeder das Werkzeug nach seinem individuellen Einsatz kaufen. Habe ich ein Bauvorhaben, bei dem ich nur einmal spezielle /schwierige Arbeiten durchführen muss, kann ich mir auch Profiwerkzeug leihen – beispielsweisle eine Mauernutfräse mit einem starken Sauger.
    Ich habe auch mit Billigmaschinen angefangen und nutze einige auch heute noch (meine Oberfräse, einige Schraubendreher, Fräser…)
    Bei einigen Maschinen lege ich aber mittlerweile Wert auf Qualität, z.B mein Akkuschrauber oder mein Bohrhammer. Das liegt aber daran, dass ich mit meinem Bohrhammer zwei Wohnungen sanierte (inklusive Elektrik und Deckenabhängungen) und ich mit Billigmaschinen da nicht weitergekommen wäre. Bei solchen Arbeiten merkt man definitiv den Unterschied.
    Auch meine Stichsäge habe ich etwas teurer gekauft, als meine alte Säge den Geist aufgab, weil ich gerade eine Einbauküche einbaute.
    Meine Tischkreissäge habe ich vor zwei Jahren gebraucht für 50€ gekauft und sie läuft immer noch. Die nächste Tischkreissäge wird wahrscheinlich etwas teurer ausfallen, weil ich sie doch recht häufig nutze.
    Ich kenne viel Leute, die sich das teuerste Werkzeug kaufen, aber keine Ahnung haben, wie man damit umgeht. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.
    Entscheidend ist nicht nur das Endresultat, sondern auch, ob man beim Werkeln Freude hat. Wenn ich mich ständig über eine Maschine ärgere, weil sie nicht so funktioniert, wie sie soll ist das genauso schlecht, als wenn mann Profiwerkzeug nutzt aber gar keinen Spaß an dem Projekt hat.
    Amen…:-)

    • Marc Zahn

      Danke für das Lob 🙂

      Ausleihen ist auch eine Option, stimmt. Ich habe mich da zwar noch nie umgeschaut, aber bekommt menn da alles, was man so benötigt? Außerdem: Wenn ich mir den Miet-Transport unseres Baumarktes anschaue, den wir mal hatten, dann will ich gar nicht wissen, in welchem Zustand das Werkzeug ist…

      Tischkreissäge für 50 Euro?! Nicht schlecht – Ich hatte ja damals die Einhell für um die 60 oder 70 Euro und die ging nach einer halben Stunde zurück.

      Ich kenne viel Leute, die sich das teuerste Werkzeug kaufen, aber keine Ahnung haben, wie man damit umgeht.

      Genau für solche Leute u. a. ist dieser Artikel 🙂

      Ich glaube auch, man muss mit billigem Werkzeug Erfahrungen gemacht haben um teures Equipment schätzen zu können.

  3. nun werkzeugkauf – teuer =besser oder billig=schlecht – das kann man so nicht sagen.
    es ist schon ein unterschied ob man eine schreiner werkstatt hat oder ein heimwerkerbetrieb. da ist oft eine preisfrage- ich denke erst in zweiter linie eine qualitätsfrage. ich arbeite seit der wende im heimwerkerbereich mit skil (nicht nur) , angefangen mit einer schlagbohrmaschine (die läuft heute noch) dann weiter mit einem bandschleifer (läuft auch noch,nach einer rep.selbst gemacht), dann noch einem excenterschleifer und einem elekt. hobel. alles läuft zur vollsten zufriedeheit von kleineren rep. der verschleißteile d.h. flachriemen, lager, und dergl. abgesehen. meine neuste errungenschaft ist ein multitool von skil , bis jetzt alles ok. zu den reperaturen muß ich sagen, wenn ich natürlich die geräte in eine werkstatt bringe muß ich mich nicht wundern das ich für den preis ein neues gerät bekomme. ich für meinen teil gucke immer erst was ist kaputt und bekomme ich das ersatzteil über den hersteller.
    das ist oft immens billiger. aber dazu muß man sich in der lage dazu fühlen, sprich man muß es sich zutrauen und auch können. aber nochmal zurück zu den preisen.
    eine schreinerwerkstatt die schon seit ewigen zeiten mit einem vertreter einer bestimmten firma zusammen arbeitet bekommt ein spitzenprodukt einer renomierten firma zu einem preis (alles verhandlungssache !) von dem kann ein heimwerker nur träumen. und dann gibt es auch oft noch zugaben nach dem motto wenn du das nimmst dann gibt das dazu. im Resultat der ganzen sache muß jeder für sich entscheiden und abwägen wozu brauch ich es was will ich ausgeben und lohnt sich das oder gibt alternativen z.B ausleihe

    • Marc Zahn

      Hallo red,

      tatsächlich sind Skil und Konsorten etwas unter den Tisch gefallen. Ich habe den Artikel diesbezüglich noch etwas erweitert. Vielen Dank für diese Anregung 🙂

      Ich habe eine Bohrmaschine von Skil und die ist eben nicht mit z. B. Bosch grün vergleichbar – Da muss man einfach Abstriche machen. Aber ich gebe Dir recht, dass es durchaus Produkte dieser Preisklasse gibt, die absolut tauglich sind. Ich habe das im Artikel nachgetragen.

      Aber man muss auch im Hinterkopf behalten, dass es Leute gibt (Du sagst es ja selber), die es sich nicht zutrauen, elektrisches Werkzeug selbst zu reparieren.

  4. hi,
    ich hab da noch so ein beispiel. da ich mir ja nun so ein multitool zugelegt habe bin ich natürlich auf suche nach multitool zubehör. da ja nicht jedes zubehör an jedes multitool passt oder besser die werkzeugaufnahme bei fast jeder firma anders ist, ist suche vorprogrammiert. ich suchte (weil ich lautsprecherleitungen unter putz legen wollte) ein
    diamant- oder zumindest ein HM besetztes teil welches aber auch bei skil passte. die originalen von skil oder auch von passenden bewegen sich in preisklassen die ein kauf für meine zwecke (lautsprecherleitungen!!) eigentlich nicht lohnen. und wie das eben so ist – die werbung machst – ein flyer einer lag im briefkasten von p…y – aber vorige woche. es war in vergessenheit geraten bzw wußte ich nicht mehr welche werbung.
    nun der wochenendeinkauf stand an. bei p…y. und da lag das was ich suchte. ein aluköfferchen mit zubehör insges. 9 teile mit koffer. das ganze von der hausmarke „purework“ passend für multitool -laut beschr. für fast alle multitools passend. das ganze für einen preis da kann man sich die originalen teile im baumarkt mal angucken aber auch nur angucken. nun meine schlitze im putz gefräst und kabel rein und zu das ganze – und das zubehör ? einwandfrei- alles ok – nix kaputt . wir sind wieder da – selber entscheiden – abwägen – was will ich damit machen -was will ich ausgeben – lohnt sich das ? ich bin gerne bereit die anderen teile zu testen und mein urteil hier kund zu tun wenn gewünscht

    • Marc Zahn

      Hi red noch mal,

      ich habe eben versucht, Dir eine Mail zu schicken, aber leider scheint Deine Adresse nicht erreichbar zu sein…

  5. Hoi,

    Danke für diesen tollen rat!

    Ich teile mein Werkzeug in mehren Stufen ein:

    Regelmäßiger Gebrauch = gute Teure Marke(n)
    häufiger Gebrauch = gute Mittelklasse (Grüne Bosch / Metabo usw.)
    seltener Gebrauch (nice to have 😉 = günstige Marken (Ikea, Skill, Mannesmann, Hausmarken) ABER nur Werkzeug mit guten Bewertungen von Zeitungen / anderen Kunden.

    • Marc Zahn

      Hi Frosch,

      ich freue mich, dass es Dir geholfen hat. Das mit Deiner Einstufung ist halt die Sache: Wie machst Du es, wenn Du eine Sache nur sehr selten machen willst, diese aber absolut präzise sein muss?