1 Tag, 1 Projekt – Eine ganz heiße Kiste

Eigentlich war dieses Projekt als Test-Projekt für einen Tacker gedacht. Allerdings gefällt mir das Ergebnis so gut, dass ich es einfach mal vorstelle – Über Sinn und Unsinn lässt sich streiten, aber es ist erstaunlich, wie stabil ein paar dünne Bretter und ein paar (viele) Nägel sein können…

Benötigte Materialien

Alle Holzteile sind Bretter (Kiefer) mit einer Stärke von 10 mm und einer Breite von 7 cm. Damit Du bei Bedarf andere Stärken oder Maße benutzen kannst, habe ich die Herleitungen dahinter geschrieben. Die Maße beziehen sich auf eine Kiste mit einer Länge von 40 cm, einer Breite von 30 cm und einer Höhe von ca. 23 cm.

  • 6 x  40 cm (Lange Seiten: gewünschte Länge)
  • 6 x 28 cm (Kurze Seiten: Gewünschte Breite – 2 x Brettstärke)
  • 2 x 30 cm (Querstreben Boden: Gewünschte Breite)
  • 4 x 38 cm (Boden Längsstreben: lange Seite – 2 x Brettstärke)
  • 4 x Kanthölzer, Länge 22 cm mit einem Querschnitt von 2,5 x 2,5 cm
  • ca. 180 kleine Nägel, z. B. Möbelnägel mit einer Länge von 2 cm. Länge Nägel sind auch ok, dann muss man die Überlänge immer umschlagen
  • Alternativ zu den Nägeln Holzleim

Du siehst richtig. In dieser Kiste stecken über 7 m Holz!

Benötigtes Werkzeug

  • Handsäge, z. B. Fuchsschwanz bzw. Stichsäge o. ä. (empfehlenswert)
  • Einen Hammer oder einen Tacker. Ich plädiere übrigens für einen Tacker. Aber der muss schon Nägel von ca. 2 cm Länge schaffen, sonst reicht es nicht. Dies benötigst Du bei der Leim-Variante natürlich nicht.
  • Mehr nicht

Planung…

… ist alles:

Weinkiste Plan

Schritt 1 – Sägen (Optional)

Wenn Du keine Möglichkeit hast, die Leisten fertig gesägt zu erhalten, wirst Du wohl oder übel selber ran müssen. Wie oben erwähnt: Ich empfehle ganz stark eine Stichsäge, Kreissäge, Kappsäge oder was sonst dafür geeignet ist. Ich wollte ursprünglich wirklich, wirklich alles per Hand aussägen, und der Geist war auch willig, doch das Fleisch war schwach, so dass dann doch die Stichsäge ran musste.

Unvorteiligerhafterweise habe ich beim Handsägen der ersten Teile auch noch so geschlampt, dass sie zu kurz geworden sind.

Wenn Du keine elektrische Säge besitzen solltest, dann schau Dich doch mal um, ob sich die Anschaffung einer solchen nicht lohnen würde.

Schritt 2 – Die kurzen Seiten

Sei gewarnt, die Verbindung der Teile stellte sich als recht fummelig heraus, da die Leisten gleichzeitig in Position und im rechten Winkel gehalten werden müssen. Ich schildere hier die Vorgehensweise mit einem Tacker, aber mit Hammer und Nagel bzw. Leim funktioniert es ähnlich.

Zuerst kümmern wir uns um die kurzen Seiten. Diese stellen dann die Ausgangsbasis dar. Dazu werden die 28 cm langen Leisten mit den Kanthölzern verbunden. Die unterste Leiste muss 1 cm (Brettstärke) über das Kantholz herausragen (s. folgendes Bilder). Eine Erklärung folgt dann bei der Anfertigung des Bodens.

Der Abstand zwischen den Brettern beträgt ebenfalls 1 cm (Brettstärke), da man dann einfach eines der Teile als Abstandhalter benutzen kann. Und achte immer darauf, dass die Teile rechtwinklig miteinander verbunden werden! Das zweite Teil wird dann ebenso angefertigt et voilá:

Do it yourself-Box

Damit hast Du den fummeligsten Abschnitt dieses Projekts gemeistert. Ich drücke Dir die Daumen, dass Du es sauber hinbekommen hast, sonst wird die Obstbox später kippelig. Wir werden sehen 🙂 Wenn alles richtig gelaufen ist, haben beiden Teile eine Breite von möglichst exakt 28 cm.

Obstkiste Breite 28 cm

Schritt 3 – Die langen Seiten

Dieser Schritt gestaltet sich so, dass die 40 cm langen Teile als Verbindung zwischen den soeben angefertigten kurzen Seiten angebracht werden. Die Leisten werden auf der selben Höhe und bündig mit den Leisten der kurzen Seiten verbunden. Achtung auch hier: Rechter Winkel!

Im Folgenden siehst Du übrigens eines meiner Lieblingswerkzeuge: Ein kleiner Anschlagwinkel von Atorn – Absolut präzise und sehr robust.

Die Teile der langen Seiten werden mit den Kanthölzern und den Leisten der kurzen Seiten verbunden.

Holzkiste Nägel

Damit ist der Korpus fertig.

Schritt 4 – Der Boden

Der Boden ist geschlossen und benötigt prinzipbedingt eine besonders hohe Stabilität. Dazu habe ich eine Kreuzbauweise gewählt. Hier werden die zwei 30 cm langen Bretter (Querstreben) rechtwinklig (Du siehst, es wiederholt sich) mit den vier 38 cm langen Teilen vernagelt.

Tacker RückschlagWie Du auf dem ersten Bild siehst, sollten, wenn alles richtig gelaufen ist, die Querstreben außen genau bündig mit den langen Seitenwänden abschließen.

Der Boden sollte nun genau in den Korpus passen. Das ist der Grund, warum die Kanthölzer nicht mit dem Boden des Korpus‘ abschließen. Der Boden wird von unten und von der Seite vernagelt/verleimt. Die seitliche Verbindung sorgt dafür, dass der Boden bei Belastung nicht so leicht nach unten durchrutschen kann.

Schritt 5 – Fertig!

Nach dieser ganzen schweißtreibenden Arbeit sollte nun eine mehr oder weniger ansehnliche Kiste vor Dir stehen, die Du nun gestalten kannst wie es Dir beliebt.

Vielleicht ist Dir aufgefallen, dass bei dem Projekt eine ganze Menge Nägel drauf gegangen sind. Das liegt einfach daran, dass ich die Dinge gern stabil baue. Ich gehe davon aus, dass auch 2/3 gereicht hätten.

Der Boden stabilisiert die Kiste dann so sehr, dass ich mich problemlos drauf stellen kann. Hüpfen sollte man aber nicht unbedingt.

Obstkiste Steh-Test

Probleme?

Selbstverständlich 🙂 Wenn Du nämlich wie ich die Teile nicht ganz präzise ausgesägt hast, hast Du solche Stellen:

Box unpräzise gesägt

Das tut der Sache aber prinzipiell keinen Abbruch, wenn sie trotzdem miteinander verbunden sind. Und es kann durchaus als Gestaltungselement dienen (Stichwort Shabby chic). Die Nägel sorgen sowieso dafür, dass die Kiste nicht ganz „clean“ aussieht.

Und weiter?

Nun hast Du zwar diese wunderhübsche Kiste, aber sie sieht noch ein wenig (sehr) nackt aus. Ich habe Selbst gebaute Kiste wässernmein Exemplar noch nicht fertiggestellt, sondern bin momentan noch am Lackieren (Ich hasse es…). Aber bevor Du anfängst, solltest Du das Holz zumindest wässern, damit beim Behandeln mit Öl, Lack usw. sich aufstellende Holzfasern nicht Dein Ergebnis ruinieren.

Dazu wird einfach das Holz mit einem nassen Schwamm oder Lappen oder einem Blumensprüher das Holz angefeuchtet. Dann die Oberfläche trocken lassen und abschließend per Hand mit einem feinen Schleifmittel in Faserrichtung (!) abschleifen. Sei aber vorsichtig, wenn Du Leim benutzt hast, dass dieser komplett durchgetrocknet ist.

Mit Streben kannst Du die Kiste auch in Fächer unterteilen und eine schöne Weinkiste daraus machen undundund.

Noch eine Idee, die ich auf einem anderen Blog gefunden hatte: Das Holz wetterfest machen, mit Folie auskleiden und als Blumenkasten verwenden. Durch die Stabilität des Bodens kann die Kiste mit ziemlich viel Erde füllen.

Hat Dir das Projekt gefallen? Kann man den Bau auch noch vereinfachen? Ich bin auf Deine Ideen gespannt!

17 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Klasse Kiste! Ich hätte die Querleisten unter dem Boden evtl noch 2cm kürzer gemacht, dann wären mehrere der Kisten perfekt stapelbar!

  2. Ja, das ist ja richtiges Holzwerken hier! Gut gemacht. Viel einfacher geht es eigentlich nimmer….

    • Marc Zahn

      Ich frage mich ein bisschen, wie diese Kisten industriell hergestellt werden. Zugegebenermaßen ist mein Exemplar schon ziemlich stabil gebaut, vermutlich stabiler als die meisten Obstkisten, aber zusammengebaut werden müssen sie ja trotzdem…

      • Industriell geht das mit Halbautomaten und billigen Hilfskräften in D oder gleich ganz manuell in Osteuropa.

        BTW Du hättest diese auch mit dem Hammer und Drahtstiften zusammennageln können – Tackern ist die Luxusvariante 🙂

        • Marc Zahn

          Da mich das nun doch näher interessiert, habe ich zwei Unternehmen angeschrieben, ob die mir Informationen zur konkreten Herstellung geben könne. Mal sehen, ob was kommt.

          Über diese Suche bin ich übrigens darauf gekommen, dass sich das auch Obststiege nennt. Als ich das sah, fiel mir auch wieder ein, dass man z. B. eine Stiege Mandarinen kaufen kann.

  3. Sehr schönes Projekt!
    Stapelbar wäre natürlich noch besser, aber so sieht die Kiste schon toll aus.
    Ich habe vor einiger Zeit für eine Bekannte mehrere solcher Kisten mit dem Boden an die Wand geschraubt. Das hat sie als Regal genutzt. Es waren auf alt gemachte Kisten, die sie für 15€ das Stück bei Ebay kaufte… Das Regal sah super aus!

    • Marc Zahn

      Ich sag ja – Wer da Interesse hat, sollte sich gut überlegen, ob er sich nicht einfach etwas Passendes im Handel kaufen will, da der Aufwand doch relativ hoch ist. Für mich war es mehr eine Machbarkeitsstudie 🙂

  4. Nicht falsch verstehen… Ich finde 15€ viel , wenn man etwas (häufig aus Holzresten) selber machen kann und bei der Arbeit noch Spaß hat.
    Wir Heimwerker kalkulieren nach meiner Erfahrung ganz anders als ein Gewerbebetrieb.
    Ich finde die Kiste toll und werde für meine Werkstatt wohl etwas ähnliches bauen. Ich habe nur noch keine 10×70 mm Latten gefunden. Die werde ich mit wohl selbst zurecht sägen müssen -total unwirtschaftlich…;-)

    • Marc Zahn

      Stimmt schon – 15 Euro sind auf jeden Fall für so ewas eine Menge Holz (Welch Wortspiel 😀 ). Ich wollte es nur erwähnt haben 🙂

      Du kannst natürlich auch andere Latten verwenden, wenn das besser passt. Daher habe ich die Herleitung der Maße mit dazu geschrieben. Sie müssen nur alle dieselbe Stärke haben.

  5. Pingback: Blogrundschau Holz Technik 37/2014 - Heimwerker-Blog

  6. Hi Marc,
    danke für die Bauanleitung, die ich grade gut gebrauchen kann. Für meinen Kücheneckschrank muss ich nämlich grad etwas basteln. Das muss auf Maß sein, damit es auch das Maximum an Platz rausholt. Und deshalb ist fertig kaufen leider nicht drin – wär schon ziemlich Zufall.
    Wenn ich das ganze in einer bebilderten Schritt-für-Schritt-Anleitung sehe fällt es mir einfach leichter.
    Ich werde jedenfalls noch kleine Rollen darunter festmachen. Eigentlich würde ich Vollauszüge für mein Projekt benötigen, dann wäre auch die Seitenstabilität besser. Aber da in meinem Fall nur Bodenmontage möglich ist hab ich dazu noch nicht die richtigen gefunden – immer nur Seitenmontage wie bei Schubladen.
    Deinen Blog hab ich mir gleich mal als Favorit gespeichert, also bis zum nächsten Mal.

    • Marc Zahn

      Hallo Brigitte,

      schön, dass Du hergefunden hast 🙂 Wie meinst Du das mit den Vollauszügen.

      Die Idee mit den Rollen finde ich klasse! Das würde sich dann auch ganz gut für draußen machen, wenn man die Oberfläche richtig behandelt hat.

      • Ich meine Auszüge wie bei Schubladen, nur zur Montage UNTER die Kiste. Die Hintere Lade muss aber auf jeden Fall etwas höher montiert sein, damit sie über den am Boden montierten Auszug drübergezogen werden kann! Das hab ich mir schon ausgeklügelt.
        Ich würde damit die Idee basierend auf „Kitchen Cabinets Solution for Blind Corner Cabinet“ auf Youtube aufgreifen.
        Jetzt sehe ich grade: Dort haben sie das ganze mit einem seitlich montierten Auszug an der vorderen Lade gemacht. Ob das dauerhaft hält?
        Aber die Idee ist doch klasse. Damit kann man mehr Stauraum aus den ollen Eckunterschränken rausholen.
        Gäbe auch die Luxusvariante: Magic Corner, aber das kann ich mir momentan nicht leisten. Und zum Nachbauen fehlt mir das Know How.

        Im Übrigen habe ich gestern schon mal den ersten Prototyp in Rohform getestet (zum Glück) und musste feststellen, dass ich beim Messen übersehen habe, dass das auch an eventuell im Weg „stehenden“ Beschlägen und der offenen Schranktür, die auch noch ca. 1 cm aufträgt, vorbeipassen muss. Deswegen musste ich den Rahmen wieder demontieren und muss nun die notwendigen Anpassungen vornehmen.
        Aber sonst hat mich der erste Test trotzdem schon positiv gestimmt.

        • Marc Zahn

          Ah, jezt verstehe ich, glaube ich. Wenn es beim Prototypen klappt, hat sich die Idee ja eigentlich als funktionsfähig herausgestellt. Frag mich mal, wie oft ich mir etwas ausgedacht habe, um dann in der Praxis zu merken, dass es nicht klappt 🙁 Biegemaschinen, Erste Tischlampen-Idee, …

          Vielleicht hast Du ja mal ein Foto? Das muss auch nicht gepostet werden 🙂